Hier findet ihr meine eigenen Geburtserfahrung. Alle drei meiner Kinder wurden selbstbestimmt zu Hause geboren.
Geburtsbericht 2022 - 4 Kilo Superman Power
Text folgt
Geburtsbericht 2024 - Glückshaubengeburt
Am Sonntag, den 15.12.2024 werde ich gegen 1 Uhr nachts, durch ein leichtes Ziehen im Unterleib wach. Vielleicht sind es Übungswehen, oder ich habe etwas Falsches gegessen. Ich mache mir erstmal keine weiteren Gedanken und schlafe weiter.
Das Ziehen macht sich am Tag immer mal wieder bemerkbar. Am Nachmittag habe ich ein paar Freundinnen und deren Kinder zu einem privaten Mothers-Blessing eingeladen. Eine Freundin scherzt beim Reinkommen „Und? Spürst du schon was?“ Ich entgegne „Also vielleicht hab ich Wehen. Ich weiß es nicht.“ Man müsste meinen, dass ich Wehen erkennen kann, da es bereits mein zweites Kind ist. Doch beim ersten Kind hat sich die Geburt durch einen Blasensprung angekündigt. Und außerdem sind es noch 10 Tage bis zum ET. Ich habe mir zwar gewünscht, dass mein Kind früher zur Welt kommt, aber das habe ich mir beim ersten Kind auch und es kam aber eher pünktlich als früher. Daher bleibe ich entspannt und glaube eher an Übungswehen, als an Geburtswehen.
Wir verbringen einen entspannten Nachmittag, unterhalten uns viel, trinken indischen Kakao, meine Freundinnen schreiben mir Wünsche für das Wochenbett auf und zum Schluss ziehen wir Tarot Karten. Mein großer Sohn Fiete fragt das Tarot nach seinem kleinen Bruder, den er endlich mal persönlich kennenlernen möchte.
Folgende Karte zieht er:
Wenn das kein Zeichen ist. So langsam beginne auch ich an den Beginn der Geburt zu glauben. Doch dann ändert sich alles. Fiete geht es auf einmal gar nicht mehr gut. Er hat Fieber. Meine Freundinnen verabschieden sich und Fiete und ich kuscheln auf dem Sofa. Fiete schläft ein, während ich spüre, dass die Wehen immer regelmäßiger kommen. So sehr ich mir eine Geburt vor Weihnachten auch gewünscht habe, dass mein großes Kind währenddessen krank ist und mich dringend braucht, das habe ich nicht kommen sehen. Ich fühle mich daher absolut nicht mehr bereit für eine Geburt. Aber was bleibt mir schon übrig. Ich beschließe erstmal abzuwarten und daran zu glauben, dass alles so ist, wie es sein soll. Mein Freund kommt gegen 18 Uhr zu uns.
Ich lasse ihn erstmal in Ruhe ankommen, bevor ich ihm sage, dass ich Wehen vermute. Er glaubt mir zunächst nicht, da ich keine Schmerzen habe und allgemein sehr entspannt bin. Die Wehen kommen zu dem Zeitpunkt alle 10 Minuten und werden intensiver. Nach einer Weile sieht mein Freund die Geburt dann auch kommen und beginnt den Geburtspool aufzubauen. Was ich wiederum für viel zu früh halte. Mein großer Sohn ist ebenfalls zuhause geboren und die Geburt hatte einen exakt zeitgleichen Ablauf mit den ersten spürbaren Wehen gegen 1 Uhr nachts und einer Intensivierung gegen 18 Uhr. Geboren ist er aber erst am Folgetag um 3:45 Uhr. Daher finde ich es zu früh den Geburtspool aufzubauen, insbesondere da ich mir ja auch immer noch gar nicht so sicher bin, ob dies nun ein geeigneter Zeitpunkt ist, wenn Fiete Fieber hat. Aber mein Freund hört nicht auf mich und lässt warmes Wasser in den Pool ein und deckt ihn mit der Plane ab.
Ich telefoniere kurz mit meiner Hebamme Leonie. Es fließen Tränen, weil ich einfach nicht an diesem Abend gebären möchte, weil es immer meine Vorstellung war, dass Fiete bei der Geburt dabei sein wird. Wir besprechen erstmal weiter abzuwarten. Da Fiete nur noch auf meinem Arm sein möchte und das für mich mit Wehen und hochschwanger echt anstrengend ist, rufe ich meine Mutter an und bitte sie Fiete abzuholen. Als sie auf dem Weg zu uns ist, beginne ich heftig zu weinen, weil ich realisiere, dass jetzt die Geburt ansteht, dass nichts mehr wie vorher sein wird und dass mein Wunsch von einer Geburt gemeinsam mit meinem Erstgeborenem nicht stattfinden wird. Fiete weint mit mir.
Nachdem Fiete abgeholt ist, muss mein Freund eigentlich noch zur Arbeit. Es ist nun 20:30 Uhr. Die Wehen kommen so alle 5 Minuten. Ich fühle mich aber immer noch recht entspannt. Nach all den Emotionen ist mir außerdem nach Ruhe. Deshalb schicke ich ihn zur Arbeit. Sobald er weg ist, beginne ich den Geburtstagskuchen zu backen. Mein persönliches Ritual vor einer Geburt. Während des Backens werden die Wehen auf einmal deutlich häufiger und intensiver. Ich muss sie bereits vertönen. Außerdem will sich mein Darm entleeren und ich merke, dass sich der Schleimpfropf gelöst hat. Gegen 21:30 Uhr rufe ich somit meine Geburtsfotografin und meinen Freund an und bitte beide herzukommen. Danny ist um 22 Uhr da und ich schalte schnell den Backofen mit dem fertigen Kuchen aus und ich hüpfe sofort in den vorbereiteten Pool. Nun bin ich meinem Freund doch dankbar. Danny und ich kennen uns bereits von Fietes Geburt, daher fühlt sich alles direkt sehr vertraut an. Noch kann ich mich in den Wehenpausen mit ihr unterhalten. Gegen 22:30 Uhr ist dann auch mein Freund von der Arbeit zurück. Er konnte genau eine halbe Stunde arbeiten. Aber egal, ich brauchte die Zeit dringend für mich alleine.
Mein Freund ruft Leonie an und bittet sie dazu zu kommen. Ich bin froh, dass er mir die Entscheidung abnimmt. Leonie kommt gegen 23 Uhr bei uns an. Ich veratme und vertöne meine intensiven Wehen nun. In den Wehenpausen kreise ich mein Becken im Pool. Ich habe meine, für die Geburt ausgewählten Kerzen (Yankee Candles Woodlands) an und es läuft meine Geburtsplaylist mit jeder Menge Oldies und Gute Laune Songs. Mir geht es soweit gut. Die Wehen sind zwar intensiv, aber durchaus machbar. Ich glaube, jetzt wird es noch einige Stunden und Wehen dauern, bis unser kleines Weihnachtswunder sich wirklich zeigen mag. Gegen 23:30 Uhr werden die Wehen nochmal intensiver. Pressdrang verspüre ich aber noch nicht. Während der dritten Wehe dieser Art, höre ich von meinem Freund hinter mir leicht verdutzt „Ist das der Kopf?“ Ich fasse mir zwischen die Beine und Leonie und Danny eilen zu uns. Und tatsächlich, da hat sich einfach so, ohne dass ich es gemerkt habe, der Kopf herausgeschoben - noch in der Fruchtblase.
Und ich weiß, es ist gleich, überraschend schnell geschafft. Um 23:32 Uhr, am Sonntag bei Vollmond, kommt der kleine Toni zur Welt. Ganz entspannt und ruhig. Ich nehme ihn zu mir hoch.
Im Hintergrund läuft der Song Africa von Toto aus dem Jahr 1983. Leonie fragt nach den vorbereiteten Handtüchern. Ich weise Chris an, die Handtücher aus dem Backofen zu holen. Aus der Küche kommt verdutzt von Chris „Hier ist ein Kuchen im Backofen!?“ An dieser Stelle muss ich immer noch lachen. Da ging dann doch alles so schnell, dass ich ganz vergessen haben den Kuchen gegen die Handtücher zu tauschen. Wir improvisieren und hängen die Handtücher auf die Heizung.
Die Plazenta will kurz danach mit etwas Hilfe von Leonie auch noch im Pool geboren werden. Danach wechseln wir aufs Sofa, wo ich Toni das erste Mal stille und er direkt sein erstes Geschäft auf mir erledigt. Wir kommen erstmal in Ruhe an und machen dann die U1. Gegen 1 Uhr gehe ich duschen und wir kuscheln uns dann ins Bett. Ich freue mich total, dass ich noch duschen und schlafen kann - was ich nach Fietes Geburt beides nicht konnte. Noch in der Nacht schreibe ich meiner Familie und meinen Freundinnen und verkünde Tonis Geburt. Fiete kommt am nächsten Nachmittag gemeinsam mit meiner Mutter zu uns. Fieber hat er keines mehr. Was das wohl war? Es fühlt sich jedenfalls total okay für mich an, dass Fiete bei der Geburt nicht dabei war. Das Schicksal hatte sicher seinen Grund das so zu entscheiden. Und nun scroll nochmal zurück zu der Tarot Karte. Magisch verrückt, was!?
Vielen lieben Dank an Danny Merz für die wunderschönen Bilder!
Mehr davon auf: www.geburtsreportage.de
Und vielen Dank, liebe Leonie, für deine einfühlsame Begleitung in der Schwangerschaft und bei der Geburt!
https://www.hausgeburt-hebamme-leonie.de/